Die Kochshows und ich. Dass ich eine ungesunde Kochshowsucht habe, sollte nichts Neues sein. Zumindest für diejenigen, die mich regelmäßig auf Social Media verfolgen. Jeden Abend beim Zähneputzen schaue ich die Snapchatstories von Tastemade und von Food Network. Wobei Tastemade mein absoluter Geheimtipp ist. Julie Nolke, Jen Phanomrat und Frankie Celenza sind meine absoluten Lieblinge, die meinen Tag wirklich ein wenig besser machen. Sie bereiten Rezepte neu auf, erklären Krams zwischendurch und geben ratsame Tipps. „Frankie’s World“ ist eine etwas abgefahrenere Version einer mini Lernstunde, dabei aber unfassbar witzig und kreativ.

KochshowsViele fragen mich, woher ich Ideen, Wissen und Tricks im Bezug auf Kochen bekomme. Das Geheimnis heißt lernen. Lernen, lernen, lernen. Indem ihr selber kocht und vor allen Dingen konsumiert. Nein – nicht esst, sondern kochen konsumiert. Seien es Bücher lesen oder eben Dokumentationen & Kanäle verfolgen. Unterschätzt niemals das Wissen, das man durch Snapchatstories oder kurzen Videos übers Kochen bekommen kann. Jeder Koch bringt seine eigenen Tipps, Tricks und Gefühle mit ins Kochen, weshalb es super wichtig ist, Köche zu finden, dessen Art und Weise zu kochen und zu unterhalten man sehr mag.
Bei Food Network ist das eine ganz schwierige Sache. Die Firma ist relativ groß und hat seinen eigenen TV-Kanal, steckt aber gefühlt keine Arbeit in die Snapchatstories. Man mag nun streiten, ob so eine Plattform überhaupt Arbeit verdient, aber schaut euch mal die beiden Vorschläge (Tastemade und The Food Network an) und dann wisst ihr, wie unterhaltend das ist. Die Kochvorschläge von The Food Network sind stets ohne Rezepte und ohne Links zur Website. Die Kochvideos sind super selten und dann werden häufig fertig Produkte verwendet von Köchen, die keinerlei Moderrationsfähigkeiten haben und eigentlich einfach nur gezwungen vor der Kamera stehen. Dabei ist wenig Kreativität, wenig gesunde Diversität und wirklich bahnbrechend neu ist da auch nichts. Tastemade hingegen, macht vieles eben schnell selbst oder erklärt, wie ihr es selber vorbereiten könnt.

Kochshows

Nun aber zu den größten Fischen im Kochshowsee, die an Qualität ordentlich was auf dem Kasten haben. „Cooked“ ist eine vierteilige Reportage von Netflix über das Buch „Cooked“* des Autors Michael Pollan. Er erzählt in den Episoden „Fire, Water, Wind, Earth“ die „Origins-Geschichten“des Kochens und schaut dabei hinter die Kulissen mehrerer Kulturen und Völker. Die Wissenschaft kommt in der Doku nicht zu kurz und zeigt super spannende Perspektiven, die ich so auch noch nicht gesehen habe. Sei es der Einblick in die Kochwelten Australischer Ureinwohner, oder in die Küche einer kleinen indischen Familie.
Vegetarier, Veganer und generell sensible Menschen sollte jedoch die erste Folge Fire besser skippen. Dort wird Fleischzubereitung und Jagd recht deutlich dargestellt und es kommt zu vorgeführten Knochenbrüchen an lebenden Tieren etc. Als Mensch, der sich schlichtweg davor ekelt (und Vegetarier ist), musste ich die Folge skippen. Auch, wenn es die altertümlichen und natürlichen Verarbeitungsweisen der Völker zeigt, habe ich damit einfach Probleme.

Die zweite Doku, die man gesehen haben muss, ist „Chef’s Table“. Auch ein Netflix Original, mit einem großartigen Soundtrack und einer unfassbar tollen Erzählstruktur. Die Doku begleitet pro Episode einen erfolgreichen Koch, erzählt sein Leben, seine Erfahrungen, seine Schwierigkeiten und auch von den schlechten Momenten. Es ist unglaublich inspirierend, wie kunstvoll das Kochen an sich sein kann, wenn jemand hinter dem Herd steht, der das ganze mit Leib und Seele lebt.
Auch Chef’s Table France ist unfassbar gut, und gefällt mir vielleicht sogar noch ein klein bisschen besser.

KochshowsNetflix bietet außerdem noch die PBS Serie „The Mind of a Chef“, was eine nette Idee ist, aber leicht zu hinter blicken und zu kritisieren. Jede Staffel zeigt einen (später mehrere)Koch und ihre Meinungen zu verschiedenen Themen. Von lokaler und regionaler Kost, über Vorgänge, wie Fermentieren oder Räuchern, bis hin zu spezifischen Themen wie Ramen ist alles dabei. Jedoch wirklich Qualität und Unterhaltung bietet nur die erste Staffel. David Chang ist mit Abstand der angenehmste Zeitgenosse. Die zweite Staffel war unglaublich schwer zu konsumieren, da mir einfach die Vielfalt gefehlt hat. Ein Essen, in das fünf verschiedene Fleischsorten hineingeworfen werden, einfach, weil es geht, hat für mich keinen qualitativen Mehrwert, was nicht daran liegt, dass ich Vegetarierin bin. Beim Kochen geht es darum jede einzelne Zutat raffiniert einzusetzen. Jede Zutat, jedes Gewürz und jeden Teil des Gerichtes ins richtige Licht zu rücken. Das passiert für mich in der amerikanischen Küche der 2. Staffel leider zu selten bis hin zu gar nicht. Das empfinde ich als deutlich weniger inspirierend.

Das Internet bietet so viele kreative Köpfe, dass sich das Hinschauen auf jeden Fall lohnt. Es gibt bessere Unterhaltung, als die zwei Minuten Tasty-Videos in eurer Facebook Timeline. Traut euch an Hintergründe und Kultur ran, lest, schaut und hört euch rein.

 

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