Ich habe Nudeln gekocht. Ein wenig zu viel, wie immer also. Irgendwie bekomme ich das nicht so richtig hin. Die „Angst“ zu wenig zu machen sitzt zu tief in den Knochen. Ich habe das Geld, also mache ich so viel, wie ich für richtig halte. Reine Lebensmittelverschwendung.
Doch dann liege ich im Bett, schaue auf die Uhr, es ist halb 1. Die restlichen Nudeln vom Abendessen liegen in der Küche – ich mag nicht aufstehen. Morgen werden sie hart sein und ich werde sie nicht mehr essen können, ich werde sie wegwerfe
So wie vieles zuvor. Doch richtig schmerzhaft wurde es, als ich feststellte, dass ich mit dem Gedanken nicht alleine bin. Dazu kommt meine Angst, dass das Essen morgen schlecht sein könnte. Irrational, trotzdem vorhanden. Dass das bei Nudeln und Kartoffeln absoluter Quatsch ist, ist mir bewusst, aber ich kann es mir schließlich leisten. Ich bin schließlich reich.

LebensmittelverschwendungJede Sekunde werfen die Deutschen im Durchschnitt 313 Kilo an genießbaren Lebensmitteln weg. Jede verdammte Sekunde.
Jährlich landen 18,4 Millionen Tonnen Nahrung im Müll, wobei ganze 10 Millionen davon vermeidbar sind. Das sind 18.100.000.000 Kilogram.
Das beste Beispiel hierfür ist das Pausenbrot. Ich bekomme die Male nicht mehr zusammen, in denen ich das Brot nach der Schule weggeworfen habe. Zuhause gab es schließlich leckerere Sachen als das langweilige Käsebrot. Irgendwann fing ich dann an, mir die Brote selber zu schmieren. Ich machte mir spannendere Konstruktionen als das doofe Käsebrot. Es kamen Gurken, Salat, Remolade, der ganze Kram dazu. Und das war fantastisch. Plötzlich habe ich mein Brot aufgegessen, oder es nach der Schule verspeist.
Als ich das erste mal mit ca. 16 alleine einkaufen ging, also so richtig, nicht nur mal eben eine Käselaugenstange kaufen, wurde mir bewusst, dass wir Jahre lang zu viel gekauft haben. Die Schränke waren Zuhause immer voll. Der Kühlschrank zum bersten gefüllt. Irgendwann haben wir die Saucen, Wurst- und Käsepackungen entfernt, gesagt wir hätten sie schlichtweg vergessen – passiert halt. Wir können auch gut ohne die Käsepackung überleben, wir sind reich, es passiert.
Doch das sollte es nicht.

Mittlerweile versuche ich stets alles aufzubrauchen und der wahrscheinlich positivste Nebeneffekt dabei ist das Geld. Plötzlich ist mehr Geld für Kleinigkeiten da. Ich kann mir im Monat im Durchschnitt 1-2 Bücher mehr kaufen. Eine Sporthose, zwei Kästen Mate mehr, einfach, weil ich bewusst einkaufe.
Ich kaufe für mich alleine ein, also rühre ich Familien-Pakete gar nicht erst an. Außer es sind Nudeln oder Nutella.

LebensmittelverschwendungWir sollten uns mehr mit uns und unserem Konsum beschäftigen. Wir müssen unseren Lebensstandard nicht herabsetzen, oder irgendwas reduzieren, aber die Tatsache, dass von sieben Milliarden Menschen immer noch eine Milliarde Hunger leiden muss ist schockierend. Noch schockierender ist die Tatsache, dass die Lebensmittelproduktion im Gegenzug Lebenmittel für über 12 Milliarden Menschen produziert.

Jeder kennt die Diskussion „Kinder in anderen Ländern haben nichts zu essen!“, doch das sollte nicht das Argument sein, womit wir unseren Konsum überdenken. Ich kann das Problem in anderen Ländern mit meinem Essen nicht beenden. Ich könnte Geld spenden, ja, aber ich rede ausschließlich von der Handlungsfähigkeit durch die mir gegebenen Lebensmittel im Schrank. Doch ich kann mir über meinen Reichtum bewusst werden. Kann dankbar sein, kann bewusst und achtsam konsumieren.
Viele Leute schütteln sich, wenn man achtsamen Konsum anspricht, wir haben es ja, also warum nicht ausnutzen?
Achtsamkeit kann den Lebensstandard erhöhen, Dankbarkeit lässt das Brot besser schmecken. Was für viele absurd klingt, kann ganz neue Erfahrungen mitsichbringen. Schnapp dir mal dein Mittagessen, lass den TV aus und konzentriere dich nur auf dein Essen. Den Geschmack, das Kauen, den Prozess des Essens an sich. Es kann sein, dass es dir schwer fällt, aber warum genießen wir ein Videospiel, ein Buch oder eine Serie für die wir Geld bezahlt haben ausgiebig, aber das Essen nicht?

Heutzutage geht alles viel zu schnell. Wir schlingen, sind „on the go“, haben keine Zeit mehr. Und plötzlich wird das wichtigste für unseren Körper, das Essen, zur Nebensache. Arbeit, die Kinder, der Freund/die Freundin, die Eltern, Schule und Uni gehen vor. Ich kann auch im Gehen trinken. Den Kaffee gibts im To-Go Becher, der landet nach 70% Trinken im Müll, der Kaffee ist kalt nicht und die angebrannte Kruste vom Brötchen mag ich auch nicht essen.

Vergleichen wir Essen mit einem Ladegerät wird es vielleicht klarer. Das Brötchen sind 10% Ladung, ich schmeiß die Hälfte davon weg, muss die Bahn bekommen und die Tasche ist voll. Ich schmeiße 5% meiner Ladung weg, weil ich 10 Meter weiter neue 15% kaufen kann, da vorne ist schließlich noch ein Bäcker. Ich verschwende. Geld, Essen, Nahrung, Energie.

LebensmittelverschwendungMüll, Verschwendung und Reste zu reduzieren ist nicht schwer.
Ein Dreierpack Brotdosen für 2,99€ gekauft, die Nudeln eintuppern, in den Kühlschrank oder einfach mal anfangen Dinge einzufrieren. Das geht mit Brot, Suppe, Eintopf, Obst zum Smoothie machen und vielem anderen Kram! Einen Einkaufszettel schreiben und einfach mal Buch führen, wie viel man in einer Woche verbraucht. Brauche ich die Familienpackung Frischkäse wirklich? Am Ende der Woche planen, was man in der nächsten Woche isst. Den Kaffee To Go in eine Thermoskanne füllen lassen (Starbucks beispielsweise geben dafür sogar Rabatte), das Brot selber schmieren und nicht beim Bäcker kaufen. Von den Pappbechern landen nämlich jährlich 2,8 Milliarden Becher im Müll. Das sind im Durschnitt knapp 34 pro Person. Diese lassen sich jedoch nicht recyceln, da sie von innen mit Kunststoff beschichtet sind.
Die Plastiktüten weglassen und mit Rucksack einkaufen gehen, die Butterbrotbeutel verbannen und komplett auf Dosen umsteigen. Die zwei Birnen und drei Äpfel einzeln aufs Band legen und die dünnen Plastikbeutel einfach mal nicht nutzen. Die zwei Kilo Packung Äpfel zum Sonderpreis liegen lassen, weil man sie eh nicht aufbraucht. Müll zu reduzieren ist nämlich auch nicht wirklich schwer.
Das Wasser in Glasflaschen kaufen und den ekeligen letzten Schluck lieber als Blumenwasser nutzen, als es einfach wegzukippen.
Bewusster essen, sich die Zeit nehmen, Zeit zum aufladen. Und üben Lebensmittel wieder werzuschätzen, denn sie sind schlichtweg viel zu wertvoll und zu teuer um das nicht zu tun.

Quellen: http://www.ndr.de/ratgeber/Coffee-to-go-Becher-Muell-im-Sekundentakt,zerowaste134.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/jeder-deutsche-wirft-im-jahr-82-kilo-lebensmittel-weg-a-820994.html
Bilder: Stock

2 thoughts on “Kann das weg? Unsere Lebensmittelverschwendung”

  1. Ehrlich gesagt war ich etwas über den Beitrag „schockiert“, da das alles mehr als selbstverständlich für mich ist. Aber anscheinend gibt es genügend, die das nicht so sehen und da ist es gut, weiter aufzuklären. Übrigens, fand ich passend zu dem Thema, habe ich letztens die App „ResQ Club“ entdeckt, auch wenn ich sie bisher noch nicht selbst benutzt habe. Dort kann man gezielt die Reste von Restaurants bestellen, damit sie nicht weggeschmissen werden. Ich wollte sie eigentlich am Wochenende ausprobieren, hab aber dann gemerkt, dass leider nicht geliefert wird, sondern dass man das Essen selbst abholen muss. Das nächste Mal, wenn wir essen gehen wollen, werde ich sie aber auf jeden Fall ausprobieren. 🙂

    1. Hallo Phi!
      Ich verstehe diese Überraschung nur allzu gut. Doch ich habe diese Gespräche echt ständig mit anderen Leuten, weil es für viele eben NICHT selbstverständlich ist.

      Die App klingt super, ich schau mir die mal an! Danke dir 🙂

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