Ich habe Nudeln gekocht. Ein wenig zu viel, wie immer also. Irgendwie bekomme ich das nicht so richtig hin. Die „Angst“ zu wenig zu machen sitzt zu tief in den Knochen. Weil ich das Geld habe, mache ich so viel, wie ich für richtig halte. Dabei ist das reine Lebensmittelverschwendung.

Später liege ich im Bett und schaue auf die Uhr. Es ist halb 1. Die restlichen Nudeln vom Abendessen liegen noch in der Küche – ich mag aber nicht aufstehen. Morgen werden sie hart sein und ich werde sie nicht mehr essen können, also werde ich sie wegwerfen.
Wie so vieles zuvor.

Richtig schmerzhaft wurde der Gedanke jedoch erst als ich feststellte, dass ich mit dem Gedanken nicht alleine bin. Dazu kommt meine Angst, dass das Essen morgen schlecht sein könnte. Sie mag irrational sein, aber sie ist trotzdem da. Dass das bei Nudeln und Kartoffeln absoluter Quatsch ist, ist mir bewusst, aber ich kann es mir doch leisten. Ich bin schließlich reich.

LebensmittelverschwendungJedes Jahr landen 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das sind 57.895 Blauwale oder 1.507 Mal der Eiffelturm. Mengen, die wir uns im Traum nicht vorstellen können. Sie landen im Müll obwohl sie gut sind. Obwohl es vermeidbar wäre.
Das bekannteste Beispiel hierfür ist das Pausenbrot. Wie oft landet es nach dem Schultag im Müll? Wie oft denkt man auf der Arbeit „Jetzt ne Pommes“ und holt sich die Pommes, anstatt das mitgebrachte Vollkornbrot zu essen? All das landet nachmittags im Müll. Direkt gefolgt von der Käsepackung und der Fleischwurst, die leider beide abgelaufen sind. Wir haben sie schlichtweg vergessen. Ein solcher Luxus umgibt uns, dass wir Lebensmittel und deren Existenz tatsächlich einfach vergessen.

Vom Tellerrand aufblicken

Ein kleiner Blick über den Tellerand bietet ein Bild, das man wirklich nur ungerne sieht, denn es schmerzt – und zwar so richtig. Von sieben Milliarden Menschen muss immer noch eine Milliarde Hunger leiden. Das alleine ist schockierend. Noch schockierender jedoch ist die Tatsache, dass die Lebensmittelproduktion im Gegenzug Lebensmittel für über 12 Milliarden Menschen produziert. Wo landen die Lebensmittel? Ganz einfach – im Müll.

Dabei teilt sich, laut einer Studie der Universität Stuttgart, die Müllproduktion folgendermaßen auf:
Von 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall, stammen 6,67 Million aus privaten Haushalten, 550.000 aus dem Handel, 1,9 Millionen Tonnen fabriziert der Großverbraucher und knapp 1,85 Millionen die Industrie.

Jeder kennt die Diskussion. „Kinder in anderen Ländern haben nichts zu essen!“ Das sollte aber nicht das Argument sein, mit dem wir unseren Konsum überdenken. Ein genauerer Blick auf das, was da auf dem Teller ist, kann manchmal schon Wunder wirken. So zum Beispiel das achtsame Verzehren von Lebensmitteln.

Achtsamkeit kann den Lebensstandard erhöhen, Dankbarkeit lässt das Brot besser schmecken. Was auf den ersten Blick absurd klingen mag, kann ganz neue Erfahrungen mitsichbringen. Einfach mal das Mittagessen am Küchentisch genießen, ohne den Fernseher anzuhaben, ohne nebenher die Zeitung zu lesen, einfach nur des Essens wegen. Den Geschmack, das Kauen, den Prozess des Essens an sich wahrnehmen. Es wird unfassbar schwer sein, aber warum genießen wir ein Videospiel, ein Buch oder eine Serie für die wir Geld bezahlt haben ausgiebig, aber das Essen nicht?

Heutzutage geht alles viel zu schnell. Wir schlingen, sind andauernd „on the go“, haben keine Zeit mehr. Und plötzlich wird das wichtigste für unseren Körper, das Essen, zur Nebensache. Die Arbeit, die Kinder, der Freund/die Freundin, die Eltern, Schule und Uni gehen vor. Ich kann auch im Gehen trinken. Den Kaffee gibts im To-Go Becher. Der wiederum landet nach 70% Trinken im Müll, denn der Kaffee ist kalt. Die angebrannte Kruste vom Brötchen mag man auch nicht mehr essen.

Vergleichen wir Essen mit einem Akku wird es vielleicht klarer. Das Brötchen sind 10% Ladung. Man schmeißt die Hälfte davon weg, muss die Bahn bekommen und die Tasche ist voll. Man schmeißt 5% meiner Ladung weg, weil 10 Meter weiter neue 15% neue Ladung auf einen warten – da vorne ist schließlich noch ein Bäckerei. Man verschwendet. Geld, Essen, Nahrung, Energie.

Müll lässt sich einfach vermeiden

Müll, Verschwendung und Reste zu reduzieren ist nicht schwer.
Einen Dreierpack Brotdosen bekommt man schon für 2,99€. Die übriggebliebenen Nudeln sind schnell eingetuppert, in den Kühlschrank verfrachtet und am nächsten Tag aufgewärmt. Oder man fängt einfach mal an, Dinge einzufrieren. Das geht mit Brot genauso gut wie mit Suppe, Eintopf und Saucen. Obst, vor Allem welches das nicht mehr ganz so hübsch ist, ist schnell in einem Smoothie “versteckt”. Im Kühlschrank vergessenes Gemüse hält sich blanchiert und eingefroren noch ein paar Wochen, bis sein großer Auftritt kommt.

Aber es geht noch einfacher: In dem man einen Einkaufszettel schreibt – und sich daran hält, versteht sich. Oder man führt ein paar Wochen Buch darüber, wie viel man in einer Woche verbraucht und was ungenutzt in die Tonne geht.

Beides wird schnell Fragen aufwerfen: Brauche ich die Familienpackung Frischkäse wirklich, oder vergammelt die Hälfte sowieso? Ist es vielleicht günstiger frisches Gemüse am Tag zu holen an dem ich es brauche, anstatt alles in einem Rutsch zu kaufen und unweigerlich etwas in der hintersten Kühlschrankecke zu vergessen?

Sich daran halten mag schwer erscheinen, aber auch dafür gibt es Tricks. Am Besten ist es, am Ende der Woche zu planen was man in den nächsten Tagen isst. Auf dem Wege kann man dann auch den Kaffee To Go in eine Thermoskanne füllen lassen und das Brot selber schmieren statt es beim Bäcker zu kaufen.

Grade der Kaffee ‘auf die Schnelle’ hat es in sich – oder besser: seine Verpackung. Von den beliebten To Go-Bechern landen allein in Deutschland jährlich fast 3 Milliarden Becher im Müll, das ergab eine Studie der deutschen Umwelthilfe. Das sind im Durchschnitt knapp 34 pro Person. Da die Becher von innen mit Kunststoff beschichtet sind, lassen sie sich nicht recyceln. Stattdessen landen sie auf der Müllhalde oder werden verbrannt.

Müll lässt sich überall vermeiden. Ihn zu reduzieren ist ein Anfang, und gar nicht schwer.

Die Plastiktüten, so sagen sich viele, nimmt man beim nächsten Einkauf wieder mit. Anstatt sie eh wieder zu Hause zu vergessen kann man sie gleich weglassen und stattdessen mit dem Rucksack einkaufen gehen. Das ist noch dazu besser für den Rücken.

Die Butterbrotbeutel? Verbannen und komplett auf Dosen umsteigen. Das spart auf lange Sicht noch dazu Geld.

Die zwei Birnen und drei Äpfel kann man genauso gut einzeln aufs Band legen statt sie in dünne Plastikbeutel zu wickeln. Die zwei Kilo Packung Äpfel zum Sonderpreis, die man eh nicht aufessen kann, sind schnell liegen gelassen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Das Wasser in Glas- statt Plastikflaschen kaufen und den ekeligen letzten Schluck lieber als Blumenwasser nutzen, als es einfach wegzukippen.
Bewusster essen und sich einfach mal Zeit nehmen. Zeit zum Aufladen, zum Entspannen.

Und üben, Lebensmittel wieder wertzuschätzen – denn sie sind schlichtweg viel zu wertvoll und zu teuer um das nicht zu tun.

Eine Blick wert ist auch die WWF Dokumentation zu dem Thema:

Quellen: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_Lebensmittelabfaelle_Faktenblatt.pdf?__blob=publicationFile
http://www.duh.de/becherheld_problem.html
Bilder/Grafiken: Carolin Aufermann

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